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Reiseanekdoten

Wie schon der Dichter Matthias Claudius schrieb,"Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen", so passieren auch den Musikern des Wiener Johann Strauss Orchesters immer wieder spannende, lustige, traurige, aufregende & unglaubliche Geschichten.
Hier finden Sie einen kleinen Auszug aus vielen lesenswerten Anekdoten aus rund 50 Jahren Orchester-Leben.

 

 

 

Die Anekdoten-Sammlung wird permanent überarbeitet und ergänzt. Sollten Sie noch die ein oder andere Anekdote kennen, die hier noch nicht nachzulesen ist, so kontaktieren Sie uns am besten unter archiv [YWZmZW5rbGFtbWVy] wjso.or.at und teilen Sie uns doch diese Anekdote mit. Vielen Dank!


 

Willi Boskovsky, der die erste Japan-Tournee des Wiener Johann Strauss Orchesters 1971 dirigierte, wollte in Okayama (JP) bei der Polka "Unter Donner und Blitz" einen Regenschirm aufspannen. Aber der Regenschirm klemmte und Boskovsky versuchte fast das ganze Stück hindurch vergeblich, den Schirm zu öffnen. Darüber borgen sich sogar die kühlen Japaner vor Lachen. 
Als das Orchester 1972 wieder in Okayama spielte, brachte eine Dame aus dem Publikum am Schluss des Programms einen Schirm auf die Bühne. Der ganze Saal lachte wieder. Was sollten wir tun? "Unter Donner und Blitz" war als Draufgabe nicht vorgesehen - die Noten lagen in Wien. Nach kurzer Verständigung wurde der Schirm aufgespannt und wir spielten das Stück auswendig. Den Schirm hat Boskovsky leider später in einem Tearoom in Tokio stehen gelassen. 

(Quelle: Festschrift - 25 Jahre Japan, Autor Prof. Werner Lill)

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Nach der Japan Tournee 1972 kam das Orchester Anfang Februar am Flughafen Wien-Schwechat an. Jubelnde Massen standen zur Begrüßung am Flughafen und das Orchester fragte sich, ob wohl ihm dieser frenetische Empfang gewidmet sei. Immerhin war man ja jubelndes Publikum von Japan gewohnt, allerdings wurde schnell klar, dass dieser Empfang nicht dem WJSO sonder dem Sportler Karl Schranz galt, der soeben von der Olympiade in Sapporo (Japan) heimgekehrt war. 

(Quelle: Johann Könighofer "30 Jahre Wiener Johann Strauss Orchester" (1996) S.43

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Als das Wiener Johann Strauss Orchester 1972 in Japan war, kaufte sich ein Musiker bei eine, Tempel einen Orakelspruch auf einem Papierstreifen. Darauf stand: "Wenn Sie sich auf einer Reise befinden, kehren Sie sofort um, Unheil droht!". Das war am beginn der Tournee. 
Der Kollege gab zwar vor, nicht abergläubisch zu sein und nicht an den Spruch zu glauben, jedoch konnte jeder sehen, wie beunruhigt und ängstlich er war. Das Orakel hat eben nicht Recht behalten. Ganz im Gegenteil: der Musiker hat die Tournee gut überstanden und seine Frau hatte ihm während dieser Zeit zu Hause Zwillinge geboren. 

(Quelle: Festschrift - 25 Jahre Japan, Autor Prof. Werner Lill)

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Diese Tournee nach Deutschland, Schweiz und Luxembourg führte das Wiener Johann Strauss Orchester unter anderem auch nach Mühlhausen, wo in einer Mehrzweckhalle gespielt werden sollte, die auch als Eishalle verwendet wurde. Als Willi Boskovsky dies bemerkte, verweigerte er kurzerhand den Auftritt. Nach einiger Überzeugungsarbeit des Managers ließ sich der Dirigent allerdings doch überreden, am Dirigentenpult zu stehen, dies jedoch nur im Pelzmantel. Nun, wie nicht anders zu erwarten, war die Eisfläche kurzerhand mit isolierenden Fußbodenplatten abgedeckt und aufgestellten Stuhlreihen zum beheizten Konzertsaal umfunktioniert und als das Konzert beginnen sollte, da erinnerte nichts mehr an die Eishalle. Boskovsky blieb aber natürlich dabei, im Pelzmantel zu dirigieren, und erlebte dadurch eines seiner heissesten Konzerte.

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Im Juni 1983 begleitete ein bekannter Wiener Musikkritiker das Wiener Johann Strauss Orchester erstmalig auf einer Japan-Tournee. Wer nicht die Begeisterung der Japaner für Strauss-Musik kennt, der weiß nicht, was Begeisterungsfähigkeit heißt. 
Nach dem Konzert belagerten die Zuhörer den Bühneneingang und sammelten Autogramme - aber nicht nur von Dirigent Kurt Wöss, sondern auch von jedem einzelnen Musiker. Nach einem Konzert in der Hibiya-Halle in Tokio ersuchte ein junges Mädchen auch den Kritiker um ein Autogramm. Er lehnte danken ab und erklärte, dass er nicht Musiker, sondern nur Kritiker sein. Darauf die reizende Japanerin in bestem Englisch: "Das macht nichts - ich kann auch kein Instrument spielen". Gegen so viel entwaffnenden Charme war er einfach machtlos. Er gab das Autogramm und weiß seither, was man unter Charme und Schlagfertigkeit versteht.

(Quelle: Festschrift 25 Jahre Japan, Autor Prof. Werner Lill)

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Wie alle wissen, dirigierte Boskovsky die Strauss-Konzerte mit Geige und Bogen. Wöss machte es anders. Er wartete damit bis zum abschließenden Donauwalzer, nahm dann einem Geiger des Orchesters die Geige aus der Hand und geigte den Walzer bis zum Ende mit. 
"Im Donauwalzer" - schreibt Wöss in seinem Anekdotenbuch "Als ich zu dirigieren vergaß" unter dem Titel "Wie weiland der Schani" - "gibt es eine Passage, in der zweimal hintereinander Flageolett zu spielen ist: beim ersten Mal ziemlich leicht auf der A-Saite, das zweite Mal jedoch, und um klanglich zu schattieren, auf der D-Saite. Auf dieser dem rechten Ton zu präzise zu "erwischen", ist wahrhaft Glückssache. Wir musizierten also miteinander, es kam zum ersten Flageolett: ich kam unversehrt über die Runden. Dem zweiten jedoch sah ich mit einer gewissen Unsicherheit entgegen. Schon setze ich an. Und in diesem Augenblick hörte die gesamte Gruppe der Ersten Geigen - das hatte sich diese "Bände" natürlich ausgemacht! - zu spielen auf, und ich hing förmlich mit meinem - gottlob sauberen - Flageolett in der Luft . . ."

(Quelle: Festschrift - 25 Jahre Japan, Autor Prof. Werner Lill)

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Nicht nur unsere Musik gefällt, auch wir Musiker gefallen. Bei einem Konzert für Studentinnen in Kofu (Japan) ging ein begeistertes Lachen durch den Saal als unser zweiter Fagottist Kurt Fransche auf die Bühne kam. Wir konnten uns das nicht erklären. Nach dem Konzert wurde Fransche von den jungen Damen so umlagert, dass die Polizei ihm den Weg zum Bus frei machen musste. Der Grund: Fransche hat feuerrotes Haar! Seither überlegen alle unsere jüngeren Kollegen, ob sie nicht mit einer roten Perücke nach Japan fahren sollten. 

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Im Jänner 1985 begleitete wieder einer bekannter Wiener Musikkritiker das Orchester nach Japan. In seinem Reise-Tagebuch findet sich folgende Notiz: "Es war der 6. Jänner 1985 kurz nach Mitternacht und ich saß gerade beim Schreibtisch meines Zimmers im 26. Stock eines Hotels in Osaka, um einen ersten Tourneebericht für die "Wiener Zeitung" zu verfassen. Da bebte die Erde (Stärke 4 von 7), die Wände verzogen sich, das Gebäude schwankte, mein Kugelschreibe rollte vom Schreibtisch. Mit verkrampften Fingern klammerte ich mich an der Schreibmaschine fest. Mein einziger Gedanke war: "Jetzt ist es aus". Und was tut der erdbebenunerfahrene Europäer in einem solchen Fall? Er macht das Dümmste, was er tun kann: er rennt zum Fenster und schaut, ob Osaka noch steht - Osaka stand noch. Mit zitternden Knien wankte ich nach dem Beben zum Schreibtisch und nahm einen kräftigen Schluck Sake. Es war der beste Sake, den ich je getrunken habe".


(Quelle: Festschrift - 25 Jahre Japan, Autor Prof. Werner Lill)

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Viel bewundert wird auch unser Klarinettist Leonhard Kubizek, der nicht nur ein preisgekrönter Musiker ist, sondern daneben auch ein bekannter Zauberer. Wenn er z.B. auf dem Schiff nach Matsuyama ein paar Kunststücke vorführt, ist er immer von einer großen Menge umringt, die verblüfft und sprachlos ist. 
Auf unseren Kollegen Eduard Eichwalder hat den größten Eindruck gemacht, als er einmal eine Tausend-Yen-Note vor seinen Augen auch in nichts auflösen ließ. Der Geldschein hat Eichwalder gehört und ist leider nie wieder aufgetaucht. 


(Quelle: Festschrift - 25 Jahre Japan, Autor Prof. Werner Lill)

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Dass Kurt Wöss Spass verstand, stellt er selbst immer wieder unter Beweis. Er war ein Geschichtenerzähler von Gnaden, kannte unzählige Witze und wusste auch gut eine Gesellschaft zu unterhalten. Im Anschluss an ein Konzert in Niigata wurde Wöss und eine Abordnung des Orchesters in ein japanisches Restaurant eingeladen. Die gesellschaftliche, politische und kulturelle Haute voleé war versammelt und sogar eine Dolmetscherin. 
Nach dem Essen brach die launige Stunde an. Wöss erzählte, die junge Dame dolmetschte. Und man lachte - mitunter herzlich, mitunter höflich, je nachdem, wie man seine Stories verstanden hatte. 
Dann stach ihn plötzlich der Hafer und er begann wienerisch zu erzählen - eine lange Geschichte. Bin neugierig, wie dass das Mädchen meistern wird, dachte er. Kaum zu Ende, fing sie auch schon zu übersetzen an. Erstaunlich kurz und präzise, wie uns schien. Die Anwesenden bogen sich vor Lachen und ließen unseren Dirigenten wissen, dass sie kaum je so eine lustige Geschichte gehört hätten. Später am Abend sprach Wöss seine Dolmetscherin auf den "Erfolg" an, fragte sie, wie sie es denn geschafft hätte, seine Geschichte so gut zu übertragen. Zu seiner Überraschung erwiderte im die junge Dame nicht wie üblich fernöstlich höflich, sondern launig - vielleicht unter dem Einfluss des guten Sake - was sie den Leuten sagte: "Liebe Freunde, dies hier ist unser Gast, der mit jetzt eine Geschichte erzählte, die ich überhaupt nicht verstanden haben, die aber sehr lustig sein soll. Seid so nett, liebe Leute, und macht mir und unserer ganzen Nation einen Gefallen; blamiert uns nicht und lacht, wenn ich jetzt geendet habe, was das Zeug hält . . ." 


(Quelle: Festschrift - 25 Jahre Japan, Autor Prof. Werner Lill)

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Nach dem Konzert in Washington kam es zu einer geradezu rührenden Geste, als Mistislav Rostropovich, der berühmte Cellist und Chefdirigent des National Orchesters Washington zu Wöss in die Garderobe kam und ihm kniend für dieses Konzert dankte. Nun mag man dieses Geschehen mit einem Hang des Russen zum Theatralischen und zum Pompösen relativieren, übrig bleibt auf jeden Fall ein tief empfundener Dank für eine großartige Leistung des Orchesters unter der begeisternden Leitung von Kurt Wöss. Unter den Besuchern dieses Konzertes befand sich auch Rudolf Bing, der ehemalige Direktor der Metropolitan Oper. Deutlich gezeichnet von seiner schweren Krankheit kam er zu Wöss in die Garderobe und schenkte ihm ein Päckchen Kaffee auf dem vermerkt war "Wiener Röstung".

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Am 18. November 2013 gab das WJSO im Rahmen seiner Mexiko-Tournee ein Konzert in der Kathedrale von Puebla.
Bei der anschließenden Signierstunde vor dem Dom nahm sich Maestro Wildner über eine dreiviertel Stunde Zeit um mit allen Fans persönlich zu sprechen. Von einer fürsorglichen Konzertbesucherin bekam er sogar einen Schal geschenkt, aus Sorge der Dirigent könne sich vor der windigen Kathedrale noch verkühlen. Diesen Schal wird Johannes Wildner in Ehren halten und sicherlich bei jeder zukünftigen Mexiko-Tournee mitführen.

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Bei einer unserer Aufnahmen ist etwas Lustiges passiert: in einer leisen Stellen hörte der Tonmeister immer ein Piccolo (diese ganz kleine hohe Flöte), das aber nicht in der Partitur stand und gar nicht zur Musik passte. Wir konnten das nicht verstehen, bis wir bemerkte, dass Schwalben in den Saal gekommen waren. Sie ließen sich nur schwer dazu bewegen, wieder in den Garten zu fliegen. Offenbar hat auch ihnen die Musik von Johann Strauss so gut gefallen wie uns und vielen, vielen Menschen auf der ganze Welt. 

(Quelle: Festschrift - 25 Jahre Japan, Autor Prof. Werner Lill)